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Krankengeld berechnen: Schritt für Schritt Anleitung
Das Krankengeld berechnen ist mit der richtigen Anleitung gar nicht kompliziert. In diesem ausführlichen Ratgeber zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie von Ihrem Bruttolohn zum tatsächlich ausgezahlten Krankengeld kommen – inklusive konkreter Berechnungsbeispiele, der Beitragsbemessungsgrenze 2026 und aller Abzüge.
Was ist Krankengeld und wer bekommt es?
Das Krankengeld ist eine Lohnersatzleistung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Es greift, wenn Arbeitnehmer länger als sechs Wochen krank sind und der Arbeitgeber keine Lohnfortzahlung mehr leisten muss. Die rechtliche Grundlage ist § 44 ff. SGB V.
Anspruchsberechtigt sind grundsätzlich:
- Pflichtversicherte Arbeitnehmer in der GKV
- Freiwillig in der GKV versicherte Arbeitnehmer
- Arbeitslose mit ALG-I-Bezug (Krankengeld ersetzt dann das Arbeitslosengeld)
- Selbstständige, die einen speziellen Wahltarif mit Krankengeldanspruch bei ihrer Krankenkasse abgeschlossen haben
Kein Anspruch haben: Privat Versicherte (sie erhalten Krankentagegeld aus der PKV), beitragsfrei familienversicherte Personen sowie Minijobber mit einem Entgelt bis 556 Euro im Monat.
Was ist die Berechnungsgrundlage?
Die Berechnung des Krankengeldes basiert auf dem sogenannten Regelentgelt. Dieses wird aus dem regelmäßigen Arbeitsentgelt der letzten 12 Monate (Abrechnungsmonate) vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit berechnet. Einbezogen werden:
- Monatliches Bruttoeinkommen (laufendes, reguläres Entgelt)
- Einmalzahlungen wie Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Quartalsprämien (anteilig auf die 12 Monate aufgeteilt)
- Regelmäßige Überstundenvergütung
- Regelmäßige Zuschläge und Zulagen (z.B. Schichtzulagen, sofern diese dauerhaft gewährt werden)
Nicht berücksichtigt werden: Variable, unregelmäßige Boni, steuerfreie Aufwandsentschädigungen und Spesen.
Schritt-für-Schritt-Berechnung des Krankengeldes
Schritt 1: Regelentgelt pro Kalendertag ermitteln
Das Regelentgelt wird auf einen Tageswert heruntergerechnet:
Regelentgelt (täglich) = Bruttolohn der letzten 12 Monate ÷ 360 Tage
Beispiel: Monatliches Bruttogehalt 3.000 €
- Jahresgehalt: 3.000 × 12 = 36.000 €
- Tägliches Regelentgelt: 36.000 ÷ 360 = 100 €/Tag
Schritt 2: Brutto-Krankengeld berechnen (70% des Regelentgelts)
Brutto-Krankengeld (täglich) = Tägliches Regelentgelt × 70%
Beispiel: 100 € × 0,70 = 70 € Brutto-Krankengeld pro Tag
Schritt 3: Netto-Deckelung prüfen (90% des Nettolohns)
Das Krankengeld darf 90% des täglichen Nettolohns nicht übersteigen:
Nettolohn-Grenze = Monatliches Nettoeinkommen ÷ 30 × 90%
Beispiel: Nettolohn 2.100 €/Monat
- 2.100 ÷ 30 = 70 € Nettolohn/Tag
- 70 × 0,90 = 63 € Netto-Obergrenze
Da das Brutto-Krankengeld (70 €/Tag) hier die Nettogrenze (63 €/Tag) übersteigt, gilt die Nettogrenze. Das Brutto-Krankengeld beträgt in diesem Fall 63 € pro Tag.
Schritt 4: Sozialversicherungsbeiträge abziehen
Vom Brutto-Krankengeld werden die Arbeitnehmeranteile an den Sozialversicherungen abgezogen:
| Versicherungszweig | Beitragssatz (AN-Anteil) 2026 |
|---|---|
| Rentenversicherung | 9,30% |
| Arbeitslosenversicherung | 1,30% |
| Pflegeversicherung (mit Kindern) | 1,70% |
| Pflegeversicherung (ohne Kinder, ab 23 J.) | 2,30% |
| Krankenversicherung | 0% (übernimmt die Kasse) |
Die Krankenkasse übernimmt für die Dauer des Krankengeldbezugs sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberanteil an der Krankenversicherung. Das spart erheblich.
Gesamtabzug (typisch, mit Kindern): ca. 12,3%
Vollständiges Berechnungsbeispiel
| Schritt | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bruttogehalt monatlich | - | 3.000 € |
| Nettogehalt monatlich | - | ca. 2.100 € |
| Tägliches Regelentgelt | 36.000 ÷ 360 | 100 €/Tag |
| 70% vom Bruttoentgelt | 100 × 0,70 | 70 €/Tag |
| 90% vom Nettolohn | (2.100÷30) × 0,90 | 63 €/Tag |
| Brutto-Krankengeld | niedrigerer Wert | 63 €/Tag |
| SV-Abzüge (12,3%) | 63 × 0,123 | ca. 7,75 €/Tag |
| Netto-Krankengeld | 63-7,75 | ca. 55,25 €/Tag |
| Netto-Krankengeld monatlich | 55,25 × 30 | ca. 1.658 €/Monat |
Höchstgrenze des Krankengeldes 2026
Das Krankengeld ist durch die Beitragsbemessungsgrenze der GKV nach oben begrenzt. 2026 liegt diese bei voraussichtlich 62.100 Euro im Jahr (5.175 Euro im Monat). Nur Einkommen bis zu dieser Grenze wird bei der Krankengeldberechnung berücksichtigt.
Das maximale Tages-Krankengeld 2026 beträgt damit:
- 5.175 € ÷ 30 × 70% = ca. 120,75 €/Tag (Brutto)
- Nach Abzügen: ca. 105,90 €/Tag (Netto)
Einfluss von Einmalzahlungen auf das Krankengeld
Wer im Vorjahr ein 13. Monatsgehalt, Urlaubsgeld oder eine Jahresprämie erhalten hat, sollte wissen: Diese Einmalzahlungen erhöhen das für das Krankengeld relevante Jahreseinkommen und damit auch das Regelentgelt. Sie werden anteilig auf die 12 Monate aufgeteilt.
Wurde eine Einmalzahlung von 3.000 Euro gewährt, erhöht sich das Regelentgelt um 3.000 € ÷ 360 = 8,33 Euro pro Tag – was das Krankengeld spürbar anhebt.
Wie beantrage ich Krankengeld?
- Beim Arzt AU-Bescheinigung ausstellen lassen. Sichern Sie den Fortlauf ohne Lücken – ein einziger fehlender Tag kann den Anspruch gefährden.
- Arbeitgeber informieren und die AU-Bescheinigung einreichen.
- 6 Wochen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber.
- Ab der 7. Woche: Krankengeld durch die Krankenkasse. Die Kasse holt sich die notwendigen Daten meist direkt vom Arbeitgeber.
- Folge-AU vor Ablauf der aktuellen einreichen, um Unterbrechungen zu vermeiden.
- Änderungen melden: Genesung, Reha-Maßnahmen oder Teilarbeit müssen der Krankenkasse sofort mitgeteilt werden.
Steuern und Krankengeld
Das Krankengeld ist steuerfrei – es wird bei der Einkommensteuer nicht als Einkommen angerechnet. Allerdings unterliegt es dem sogenannten Progressionsvorbehalt: Das Krankengeld wird dem steuerpflichtigen Einkommen rechnerisch hinzuaddiert, um den anzuwendenden Steuersatz zu ermitteln. Dies kann den Steuersatz für das übrige Einkommen erhöhen.
Wer im Steuerjahr 2026 Krankengeld bezieht, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet, wenn die Grenze von 410 Euro an steuerfreien Lohnersatzleistungen überschritten wird. Planen Sie das Geld dafür ein.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Krankengeld Rechner 2026 sowie im Überblick zu Bürgergeld nach Krankengeld.
Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse.
Häufige Fragen (FAQ)
Berechnen Sie zunächst 70% des Bruttogehalts und 90% des Nettogehalts. Der niedrigere Wert ist Ihr Brutto-Krankengeld. Davon werden ca. 12% Sozialversicherungsbeiträge abgezogen.
Ja, das ist ein großer Vorteil der gesetzlichen Regelung. Regelmäßige Einmalzahlungen des Arbeitgebers, wie etwa tarifliches Weihnachtsgeld oder ein vertragliches Urlaubsgeld aus den vergangenen zwölf Monaten, werden bei der finalen Berechnung der Tagessätze anteilig und erhöhend berücksichtigt.
Während der gesamten Monate des Krankengeldbezugs übernimmt die zuständige Krankenkasse die anfallenden Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung komplett. Als kranker Arbeitnehmer müssen Sie in dieser Phase keinen eigenen finanziellen Beitrag mehr von der Nettozahlung an die Pflege- oder Krankenversicherung abführen.
Diese Informationen ersetzen keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr.
Weitere Ratgeber
Offizielle Informationen
Für verbindliche Auskünfte besuche die offizielle Seite:
Zur offiziellen Seite (GKV-Spitzenverband)Verwandte Artikel
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Diese Informationen ersetzen keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: 3. Juli 2026. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich an die zuständige Behörde.